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Glücksgefühle

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Michaela Polleres am Tag nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille. 11 Jahre lang hatte der ÖJV auf diese Medaille warten müssen und auch die 23-jährige Niederösterreicherin hatte zuletzt eine Reihe bitterer Auftaktniederlagen hinnehmen müssen.

Wie sehr haben Dich die vier vorzeitigen Niederlagen gegen Anka Pogacnik/SLO im Vorfeld der WM belastet?

Michaela Polleres: „Sagen wir es anders: Als ich von meiner Auslosung erfahren habe, war ich richtig erleichtert, endlich wieder gegen jemand anderen kämpfen zu können. Die Belastung war mit einem Schlag wie verflogen. Dieses ungute Gefühl, seine Hochform nicht abrufen zu können. In Budapest war meine Wettkampf-Form plötzlich wieder da. “

Mit Abstand betrachtet: Was war Dein schönster Moment in der Halle, die Siegerehrung, oder der Moment, als Du gewusst hast, die Bronzemedaille gehört Dir?

Polleres: „Das pure Glücksgefühl war für mich der Moment, als ich von der Matte ging und unser Team auf mich zulief, Magda (Krssakova) voran. Die hat sogar einen Security förmlich aus dem Weg geräumt und ist mir jubelnd in die Arme gefallen. Sabrina (Filzmoser), Yvonne (Bönisch) – alle waren vor Freude außer sich. Endlich reden wir nicht mehr von der langen Durststrecke bei Weltmeisterschaften. Das ist nicht nur für unsere sportliche Führung, sondern für die ganze Mannschaft richtig befreiend.“

Lässt sich das Gefühl vergleichen mit jenem Moment, als Du 2018 in Tel Aviv bei der EM das erste Mal in der allgemeinen Klasse richtig aufgezeigt und Bronze geholt hast?

Polleres: „Damals wusste ich: Jetzt bin ich bei den Großen angekommen, kann mithalten. Heute weiß ich: Ich kann auch Weltmeisterin werden und Gold holen. Das Semifinale gegen Barbara Matic war verdammt eng. Wir haben fast 8 Minuten gekämpft, am Schluss hat eine kleine Unachtsamkeit den Ausschlag gegeben. Ich habe einen kurzen Augenblick locker gelassen. Sie hat diesen Fehler prompt ausgenützt. Das ist natürlich im 1. Augenblick ärgerlich. Ich habe Matic ja auf der World Tour auch schon geschlagen. Das WM-Finale war zum Greifen nahe. Jetzt, am Tag danach, überwiegt längst die Freude. Ich bin stolz auf Bronze und weiß, dass ich stark genug bin, um auch Gold holen zu können.“

Du warst kaum im Aufwärmbereich zurück, da hat schon Dein Handy Sturm geläutet. Wer war dran?

Polleres: „Die erste war Klubkollegin Lisa Grabner, dann meine Eltern und Klubtrainer Adi Zeltner. Wir haben mehr geweint, als gesprochen.  Ich war so erleichtert und glücklich. Bei fast jeder Frage sind mir die Tränen gekommen. Ich habe es richtig genossen. Auch das gemeinsame Abendessen mit dem Team danach.“

Haben sich auch offizielle Stellen bei Dir gemeldet?

Polleres: „Das Bundesheer, mein Arbeitgeber, hat mir gratuliert und auch Sportminister Werner Kogler. Ihm habe ich – vor lauter Nachrichten – erst heute zurückgeschrieben und mich für die Gratulationen bedankt. Er war vor zwei Wochen beim Training in Linz, hat sich ein Bild davon machen können, wie hart und professionell wir trainieren!“

Jetzt können die Olympischen Spiele in Tokio kommen, oder?

Polleres: „Ich bin in guter Form, fühle mich top-fit. Vielleicht lässt sich im Judo-taktischen Bereich noch das eine oder andere Detail herausholen. Ich werde gesetzt sein. Das ist definitiv kein Nachteil!“

Und eine gewisse Anka Pogacnik?

Polleres: „Anka ist – sportlich gesehen – für mich definitiv kein Thema mehr!“

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