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Tokio hat Vorrang!

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Normalerweise gibt’s in einem olympischen Jahr keine Judo-WM. Aber was ist in diesen Tagen schon normal? Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf Sommer 2021 kommt’s jetzt zum Doppelpack: Von 6. – 13. Juni steht in Budapest (vor Ende der Olympia-Qualifikationsfrist) die Weltmeisterschaft an, ab 24. Juli steigen dann bei den Sommerspielen in Tokio die  Judobewerbe. Gekämpft wird im Nippon Budokan, dem Kampfsport-Tempel der Japaner, der schon 1964 Austragungsort des (ersten olympischen) Judo-Turniers war.

ÖJV-Headcoach Yvonne Bönisch sieht den zwei Judo-Highlights mit Spannung entgegen. Eine Bestandsaufnahme.

Die zwei wichtigsten Judo-Wettkämpfe des Jahres 2021 finden innerhalb von nur 6 Wochen statt. Sinn oder Unsinn?

Yvonne Bönisch: „Natürlich hätte ich mir als Trainerin eine etwas längere Pause zwischen den zwei Saison-Höhepunkten gewünscht. Aber das lässt sich nun mal nicht ändern: Wer bei Olympia in Top-Form sein will, der kann sechs Wochen davor noch nicht bei 100 Prozent sein. Damit werden wir leben müssen. Aber das Problem haben alle Nationen. Ich bin trotzdem überzeugt, dass wir auch in Budapest ganz gute Medaillenchancen haben. Dass am Ende des Tages die Olympischen Spiele Vorrang haben, versteht sich von selbst. Aber ich würde mir wünschen, dass möglichst viele aus unserem Team in Budapest mit guten Leistungen Selbstvertrauen für Tokio tanken. Das wäre der Plan.“

Wie realistisch ist es, von einer WM-Medaille zu träumen?

Bönisch: „Wir haben als ÖJV nun mal den Anspruch, bei jedem Turnier, bei dem wir antreten, zumindest eine Athletin oder einen Athleten unter die Top-3 zu bringen. Das gilt für die World-Tour genauso wie für die Weltmeisterschaft & Olympische Spiele. Auf eine WM-Medaille wartet Österreich seit 2010, auf eine Olympia-Medaille seit 2008. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, dass diese Serien möglichst bald der Vergangenheit angehören. Aber eine Medaillen-Garantie gibt es nicht. Mit konsequenter Arbeit können wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der ÖJV bald wieder anschreibt. Das ist unser vorrangiges Ziel!“

Lukas Reiter fehlt im WM-Aufgebot. Warum?

Bönisch: „Seine Olympia-Chance ist spätestens seit Antalya dahin. Wir haben gemeinsam entschieden, dass es mehr Sinn macht, wenn er jetzt eine vernünftige Pause macht und dann ab Herbst seinen ganzen Fokus auf die Spiele 2024 in Paris legt.“

Welchen Maßstab hast Du für die Nominierung angelegt?

Bönisch: „Die Aufstellung lag mehr oder weniger auf der Hand. Diskussionsbedarf gab es eigentlich nur bei Lukas. In Budapest gehen jene 6 ÖJV-Judoka an den Start, die nach derzeitigem Stand für die Olympischen Spiele qualifiziert sind. Dazu kommt Aaron Fara, der um seine letzte Tokio-Chance kämpft. Daniel Allerstorfer hat sich mit seinem 7. Platz bei der EM in Lissabon für die WM empfohlen. Seine Formkurve ist ansteigend. Daniel hat in Lissabon gegen den späteren Europeameister Inal Tasoev denkbar knapp verloren. Seine Leistung war richtig stark. Auf ähnliche Auftritte hoffen wir in Ungarn.“

Samstag wird die WM- und Olympia-Vorbereitung in Lignano/ITA fortgesetzt: Welche Schwerpunkte sind vorgesehen?

Bönisch: „Wir treffen dort auf starke Konkurrenz aus Belgien, Italien, Kroatien, Slowenien und Usbekistan. Und wir werden noch einen letzten Kraft- und Konditionsblock vor Olympia einschieben. Ab Ende Mai beginnt dann die unmittelbare Wettkampfvorbereitung, stehen immer mehr taktische Aspekte im Vordergrund.“

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