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Mittersill: legendär!

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In Judokreisen genügen die Worte „Mittersill, Jänner“ und das Gegenüber beginnt zu nicken, begleitet von einem breiten Grinsen. Mittersill im Jänner – das ist für internationale wie nationale Judoka die „Legende unter allen Trainingslagern“. Chef-Organisator Ali Gmeiner im Interview.

Mittersill 2021 (24. – 30.1.) ist die bereits 28. Auflage. Sprich: Das Olympia-Trainingslager in der Tennishalle gibt’s seit 1993. Zuletzt waren mehr als 1.000 AthletInnen aus 70 Nationen und gut 400 BetreuerInnen mit dabei – im Vorjahr auch Superstar Teddy Riner (FRA). Das erste Trainingslager im Jahr ist in der Regel auch das bestbesetzte des Jahres. Wie kam man auf Mittersill?

Ali Gmeiner: „Der Vorläufer war das Wintertrainingslager in Rauris, mit gut 300 Teilnehmern. Aber irgendwann wurde Rauris zu klein. Je mehr Judoka du hast, desto mehr kommt’s auch auf die Infrastruktur an. Du brauchst ein Spital in der Nähe, du brauchst möglichst viele Hotels, Apartments, die Anbindung zu Skiliften, sportgerechte Ernährung…. Ich hatte damals schon ein kleines Trainingslager, mit Judo-Freunden aus Deutschland, die Skifahren und Judo verbinden wollten. Das waren meistens zwischen 50 und 60 Personen. Als 1992 die Frage aufkam, ob es (größere) Alternativen zu Rauris geben würde, war meine Antwort klar: Mittersill kann das. Ein Jahr später, im Jänner 1993, gab’s die Premiere mit gut 400 Aktiven.“

In den letzten Jahren waren es erstmals mehr als 1.000, die auf gut 70 Unterkünfte verteilt waren. Was ist das Geheimnis, warum will jeder nach Mittersill?

Gmeiner: „Der ÖJV liefert quasi das All-Inclusive-Paket. Wir holen die Teams vom Flughafen bzw. bringen sie zurück, wir sorgen für gutes Essen. Wir bringen sie in die Halle. Unser Fuhrpark hat im letzten Jahr insgesamt 32.000 Kilometer abgespult. Wir stellen bei allen Trainings einen Arzt in der Halle und haben eine enge Kooperation mit dem hiesigen Spital. Wenn wir Untersuchungen brauchen, gibt’s (fast) keine Wartezeiten. Wir organisieren die Liftkarten, wenn sie zum Ausgleich auf die Berge wollen. Wir passen die Trainingszeiten auf die Wünsche der Teams an usw. Alles funktioniert im Normalfall am Schnürchen. Feuerwehr inklusive: Die legen die 1.300 Matten auf – mit einem Löschzug, 40, 50 Mann. In drei Stunden ist das erledigt… Ich hab‘ einmal, am Schlusstag, als das letzte Training zu Ende ging, so getan, als würde ich den Feueralarm auslösen. Praktisch im gleichen Augenblick ging die Türe auf und  30, 40 Feuerwehrmänner in Uniform standen da und begannen, die Matten rauszutragen. Der Alarm war natürlich nicht echt: Wir hatten sie schon ein paar Minuten vorher angerufen.“

Was läuft heuer Corona-bedingt in Mittersill anders?

Gmeiner: „Wir haben eigentlich zwei Trainingslager – eines für Frauen und eines für Männer. Beide sind begrenzt auf je 100 Personen. Dazu unterscheiden wir in leichte und schwere Gewichtsklassen. Damit reduziert sich für alle die Anzahl der Fremdkontakte. Nicht nur die Trainingszeiten, auch die Essenszeiten sind entsprechend angepasst. Wir müssen die Gruppen – das ist den aktuellen Verhältnissen geschuldet – möglichst klein und übersichtlich halten. Wir haben diesmal nur einen Anreise- und Abreisetag. Am 24. kommen die Teams, am 30. reisen alle ab. Diesmal nützen wir nur zwei Hotels – tun alles, um eine Judo-Bubble gewährleisten zu können. Was sich nicht ändert: Die Qualität der Teilnehmer ist extrem hoch – einem Olympia-Jahr entsprechend.“

Hand aufs Herz: Bei so vielen TeilnehmerInnen, Nationen und unterschiedlichen Interessen. Gab’s in den letzten 27 Jahren auch Momente, wo Du kurz ratlos warst?

Gmeiner: „Immer wieder… Zuletzt 2017, als so viel Schnee war, dass wir wegen Lawinengefahr eine Reihe von Quartieren evakuieren mussten. In Mittersill, in der Hochsaison, für mehr als 100 Leute in ein paar Stunden ein neues Zimmer suchen zu müssen – das klingt unmöglich. Aber wir haben binnen einer Stunde in Paßthurn ein Quartier gefunden, 9 km von der Halle entfernt – noch dazu eines, das für alle leistbar war.“

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