World Tour

„Den Fokus verloren!“

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Dass Shamil Borchashvili an einem guten Tag alle schlagen kann, wusste man in der World-Tour-Szene. Jetzt hat der 25-jährige Oberösterreicher erstmals eine Grand-Slam-Medaille um den Hals. Eine erste Bilanz.

Ab wann war Dir klar, dass heute ein ganz besonderer Tag werden kann?

Shamil Borchashvili: „Nach meinem Erfolg gegen den Russen Khubetsov. Alan ist richtig stark. Er hat mich 2019 in Baku geschlagen. Da habe ich drei Shidos kassiert. Diesmal hatte ich einen klaren Kampfplan, immer nahe am Körper zu bleiben. Die Kontertechnik hat dann gut funktioniert. Nach dem Ippon dachte ich mir: Jetzt holst du eine Medaille.“

Im Semifinale musste der WM-Dritte Antoine Valois-Fortier (CAN) wegen einer Rippenverletzung verletzungsbedingt aufgeben. Wusstest Du von seiner Verletzung?

Borchashvili: „Ich hatte keine Ahnung, dass er sich vorher verletzt hat. Ich habe attackiert, bin mit meinem Kopf auf seinen Bauch-/Brustbereich gestoßen. Er hat sofort signalisiert, dass er aufgibt.“

Dein erstes Grand-Slam-Finale war richtig turbulent. Wie hast Du es erlebt?

Borchashvili: „Gegen Sami Chouchi habe ich auch 2019 in Baku gekämpft, damals gewonnen. Auch er mag es wie Khubetsov nicht so, wenn man nah‘ am Körper kämpft. Ich wusste, was es zum Sieg braucht, habe ihn nach nur 12 Sekunden gekontert. Das Ippon wurde angezeigt. Ich habe mich schon als Sieger gesehen und gejubelt. Da ging mein Fokus verloren. Als die Wertung korrigiert wurde (auf Waza-ari) und der Kampf weiterlief, habe ich plötzlich anders gekämpft und mich verzettelt. Die entscheidende Szene war ein absoluter Anfängerfehler. Ich bin in den Würgegriff hineingelaufen, war kurz bewusstlos. Das hätte mir nicht passieren dürfen. “

Trotzdem war’s das beste Resultat Deiner Karriere. Mit dem 2. Rang hast Du bewiesen, dass Du auch für den Grand-Slam-Sieg gut bist. Wie zufrieden bist Du?

Borchashvili: „Klar ist es cool, zum ersten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier am Podium zu stehen. Die 500 Weltranglisten-Punkte fürs Finale sollten endgültig für die Olympia-Qualifikation reichen. Aber richtig glücklich bin ich erst, wenn ich irgendwann die Goldmedaille um den Hals habe.“

Rang 7 beim Masters, jetzt Platz 2 in Tiflis. Wie geht’s weiter?

Borchashvili: „Ich werde mit Yvonne meine taktischen Fehler besprechen und weiterarbeiten. Bei der EM in Lissabon will ich meine erste EM-Medaille holen, noch cleverer kämpfen. Das ist mein Anspruch.“

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