22. April 2022

Also sprach...

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Judo Austria lud Freitag zum offiziellen Medientermin in den Spiegelsaal im Haus des Sports in Wien. ORF Sport Plus übertrug live. Die wichtigsten Zitate von der EM-Vorschau für Sofia:

ÖJV-Headcoach Yvonne Bönisch: „Wir haben unter meiner Führung im letzten Jahr 4 Medaillen bei Olympia, WM und EM geholt, allen voran Silber und Bronze in Tokio. Klar, dass wir mehr wollen, am besten Gold. Ich möchte als Trainerin erstmals die österreichische Bundeshymne hören, das ist natürlich ein Ziel, umso mehr, weil der letzte EM-Titel schon mehr als 11 Jahre her ist. Aber erzwingen lässt sich eine Goldene nicht. Was ich sagen kann: Unser Team ist bestens vorbereitet. Wir haben vor allem am Samstag – mit den Gesetzten Michi (Polleres), Magda (Krssakova), Shamil (Borchashvili) und EM-Dauerbrennerin Bernadette Graf, die schon fünf Medaillen geholt hat, die besten Chancen. Das ist unbestritten. Die EM ist für uns ein erster richtiger Gradmesser. Priorität haben heuer sicher der Beginn der Olympia-Qualifikation im Juni und die WM im Oktober in Taschkent (Usbekistan).“

Sportdirektor Markus Moser: „Im EM-Team haben wir eine gute Mischung aus jungen Talenten, AufsteigerInnen sowie etablierten Kräften. Unsere Linie im Verband lautet: Im Zweifelsfall geben wir den Jungen eine Chance. In Tokio hatten wir 6 Judoka am Start, in Paris 2024 sollen es defenitiv mehr sein – das ist die klare Vorgabe.“

Präsident Martin Poiger: „Eine EM-Medaille ist das Minimalziel. Wir wollen bewusst keine großen Ziele und Vorgaben nennen. Tatsache ist, dass wir einige im Team haben, die auch für einen Titel gut sind. Natürlich ist unser Anspruch, möglichst rasch die Gold-Flaute bei Europameisterschaften zu beenden. Was wir sagen können: Wir haben seit den Erfolgen von Tokio sehr viel getan, um die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. Ab Mitte Mai werden wir mit Ex-Europameister Robert Krawczyk einen weiteren Top-Mann als Nationaltrainer haben. Er wird die Arbeit von Yvonne Bönisch unterstützen. Krawczyk hat schon in Belgien bewiesen, dass er als Coach für Olympia-Medaillen gut ist. Gemeinsam mit Yvonne ist das sicher eine Top-Besetzung.“

Katharina Tanzer (-48 kg, 26 Jahre alt, Weltranglisten-26., Zweite beim Grand Slam in Baku 2021): „Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, dass ich jetzt bei meiner 2. EM am Start stehen kann. Mein Debüt, 2019 in Minsk, ist gefühlt schon ewig her. Seit damals habe ich mich extrem verbessert. Besonders im technisch-taktischen Bereich. Im Griffkampf hatte ich Defizite. Das habe ich abgelegt.“

Jacqueline Springer (-48, 21 Jahre alt, EM-Debütantin): „Ich kann’s kaum noch erwarten, bei der EM an den Start zu gehen. Ich hatte Anfang des Jahres Corona, konnte gut 3 Wochen nicht trainieren. Deshalb ist Sofia jetzt mein erster internationaler Auftritt 2022. Ich möchte in Sofia möglichst viele Erfahrungen sammeln, ev. den ein oder anderen Sieg feiern. Im Moment hält sich die Nervosität noch in Grenzen.“

Lisa Grabner (-57, EM-Debütantin, mit 20 Jahren die jüngste rot-weiß-rote EM-Teilnehmerin): „Ich habe als Juniorin EM-Bronze geholt. Jetzt geht’s für mich darum, mich in der allgemeinen Klasse zu beweisen. Noch ist der Respekt vor den Gegnerinnen groß. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben: EM, Olympia-Qualifikation etc.“

Magdalena Krssakova (-63, 28 Jahre, als Nr. 4 bei der EM gesetzt, Vize-Europameisterin 2020, Weltranglisten-Zehnte, ÖJV-AthletInnensprecherin): „Ich fühle mich richtig gut in Form, bin mit Rang 3 in Antalya bestens in die Saison gestartet. Das fühlt sich richtig gut an, die Olympia-Saison ist ja nicht ganz nach Wunsch gelaufen. Ein Wort zum Verband: Uns geht’s im Augenblick sehr gut, wir werden auf allen Linien unterstützt. Die neue Trainerverpflichtung ist nur ein weiterer Beweis, dass bei uns im Moment sehr viel richtig läuft. Die Stimmung im Team Austria ist top.“

Michaela Polleres (-70, 24, als Nummer 3 in Sofia gesetzt, Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin, WM-Dritte, Weltranglisten-Siebente): „Durch die Gehirnerschütterung beim Grand Slam in Tel Aviv musste ich ein gutes Monat pausieren. Ich hatte immer wieder Kopfweh, natürlich nervt das. Seit dem Trainingslager in Antalya fühle ich mich wieder top-fit. Ich bin bereit für Sofia und sicher, dass ich für eine Medaille gut bin.“

Daniel Leutgeb (-60, Nr. 167, erstes Jahr in der allgemeinen Klasse, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires): „Auf der Rechnung hat mich wohl keiner. Aber ich freue mich auf mein EM-Debüt, fühle mich sehr stark und bin für die ein oder andere Überraschung bereit. Ich will mich in der allgemeinen Klasse etablieren, je schneller, desto besser.“

Shamil Borchashvili (-81, 26, als Nummer 6 gesetzt, Olympia-Bronzemedaillengewinner von Tokio 2021): „Wer mich kennt, weiß: Ich setze mir immer große, mitunter fast unerreichbare Ziele. Seit meinem Erfolg in Tokio gehöre ich nicht mehr zu den Außenseitern, sondern ganz klar zu den Favoriten. Ich weiß, dass ich am Tag X zu allem fähig bin, wenn ich meine Topform abrufen und mir trotzdem im Wettkampf eine gewisse Lockerheit bewahren kann. Das ist mir in Tokio sehr gut gelungen. Die Olympia-Medaille hängt in meinem Schlafzimmer, eine EM-Einzelmedaille fehlt mir noch. Vor drei Jahren haben wir in Minsk mit dem Mixed-Team Bronze gewonnen. Ich bin diesmal als Nummer 6 gesetzt. In Sofia sind in meiner Kategorie die Top-3 der Weltrangliste und sechs der Top-10 am Start. Also leicht wird’s nicht. Aber ich brauch‘ das, einen gewissen Druck und hohe Erwartungen. Ich bin ja erst seit knapp vier Jahren als Leistungssportler auf Top-Niveau unterwegs. Ich habe eigentlich noch in allen Bereichen Luft nach oben, technisch, taktisch, mental und auch körperlich. In Paris 2024 will ich ganz oben stehen. Weiteres Ziel: Meine Brüder Kimran, Wachid und ich wollen bei Olympia zu dritt am Start stehen, das gab’s in Österreich noch nie.“

Wachid Borchashvili (-90, 23, durch den Aufstieg in die höhere Gewichtsklasse derzeit nur Nr. 197 im IJF-Ranking, zum Vergleich: bis 81 wird er noch als Nr. 47 geführt): „2018 habe ich in Sofia in meinem letzten U-21-Jahr EM-Bronze in der Kategorie bis 66 kg geholt, mittlerweile starte ich bis 90 kg. Ich kann mich noch gut an die Halle in Sofia erinnern. Damals war meine Medaille eine Riesenüberraschung, mein erster internationaler Erfolg. Bei den 90-ern fehlt es mir noch ein bisschen an Gewicht, ich muss definitiv noch vier, fünf Kilo Muskelmasse zulegen. Ich gehöre sicher nicht zu den Favoriten, aber das gefällt mir. Überrascht habe ich schon öfters. Langfristig ist der Wechsel von -81 in die nächstschwerere Kategorie sicher die richtige Entscheidung. Shamil und ich wollen beide zu Olympia, das geht nur in verschiedenen Gewichtsklassen!“

Daniel Allerstorfer (+100, 29, 2021 EM-Siebenter in Lissabon, 2016 Olympia-Teilnehmer): „Ich habe von 135 Kilo auf 125 Kilo abgespeckt. Es tut mir gut, aber manchmal bin ich noch selbst überrascht, wie viel schneller ich dadurch geworden bin. Ich habe letztes Jahr bewiesen, dass ich bei einer EM anschreiben kann. Diesmal ist eine Medaille das erklärte Ziel. Das ist sicher eine ehrgeizige Vorgabe, aber machbar.“

Copyright: GEPA Pictures


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