Was dürfen rot-weiß-rote Judo-Fans vom Jahr 2026 erwarten? ÖJV-Präsident und EJU-Generalsekretär Martin Poiger nimmt im Judo-Austria-Interview die kommenden 12 Monate unter die Lupe und wagt einen Ausblick.
Mit welchem Gefühl siehst du als ÖJV-Präsident dem Judojahr 2026 entgegen?
Martin Poiger (lacht): „Uns wird nicht langweilig werden: Der ÖJV-Kalender 2026 umfasst insgesamt 51 (nationale wie internationale) Veranstaltungen. Im Juni startet die Olympia-Qualifikation, damit werden auch die Teilnehmerzahlen bei den World-Tour-Events wieder stark ansteigen. Aber unser Trainerteam – angeführt von Yvonne Snir-Bönisch – hat in den letzten Monaten extrem hart mit unseren Top-Assen gearbeitet, wir fühlen uns top-vorbereitet. Das sollte sich auch in der Medaillenbilanz bei den großen Turnieren niederschlagen.“
Welche Themen beschäftigen das ÖJV-Büro zum Jahreswechsel?
Poiger: „Erster Höhepunkt ist traditionell das Olympic Training Camp in Mittersill, das größte Judo-Trainingslager der Welt. Bei der 32. Ausgabe von 7. – 14. Jänner 2026 werden wir einmal mehr über 900 Judoka und gut 1.100 Gäste aus 50 Nationen begrüßen dürfen, darunter jede Menge Olympiasieger:innen & Weltmeister:innen. Die internationale Judo-Familie liebt Mittersill – um dieses Trainingslager beneidet uns die ganze Judowelt. Nur ein paar Tage später, von 16. bis 18. Jänner, bieten wir in Obertraun eine nationale Neuheit an – die 1. ÖJV-Techniker-Tagung für Bundeskampfrichter:innen, Prüfer, Coaches und Funktionäre. Wir als Judo Austria wollen noch näher zusammenrücken, unser Service für Clubs, Vereine, Aktive kontinuierlich ausbauen. Der gesamte Vorstand hat sich diesem Ziel verschrieben.“
Direkte Frage: Die Bundesregierung hat eine Kürzung der Sportförderung beschlossen. Wie steht der ÖJV finanziell da?
Poiger: „Auch da sieht’s gut aus: Wir können davon ausgehen, dass wir als Verband 2026 zum dritten Mal in Folge mit schwarzen Zahlen bilanzieren werden – obwohl die Sportförderungen um 10 Prozent gekürzt wurden. Wir schauen uns unsere Einnahmen und auch Ausgaben jedenfalls sehr genau an. Die Entwicklung spricht für uns.“
Zurück zum Kalender: Im März folgt mit dem 4. Oberösterreich-Grand-Prix in der TipsArena in Linz das nächste Highlight, eines von 14 IJF-World-Tour-Events. Wie laufen die Vorbereitungen?
Poiger: „Dazu eine weitere Zahl: Im Vorjahr nahmen 416 Judoka aus 52 Nationen am OÖ-Grand-Prix teil, damit war Linz das bestbesetzte World-Tour-Event des Jahres – noch vor den Grand-Slams in Paris, Tiflis oder Tokio. Das kann sich wirklich sehen lassen. Was die Teilnehmerzahl betrifft, gehen wir davon aus, dass wir 2026 einen neuerlichen Teilnehmer-Rekord erleben werden, schließlich beginnt im Juni die Olympia-Qualifikation für Los Angeles. Alle Top-Nationen haben uns schon mal ihr Interesse bekundet.“
Der Veranstalter-Vertrag mit dem Internationalen Judoverband läuft mit 2026 aus. Wie sieht’s mit der mittelfristigen Zukunft für den OÖ-Grand-Prix aus?
Poiger: „Wir als Verband führen Gespräche mit der Bundesregierung, mit dem Land Oberösterreich und mit der Stadt Linz, um eine Fortsetzung des OÖ-Grand-Prix um weitere vier Jahre gewährleisten zu können. Wir dürfen gedämpft optimistisch sein, dass wir die finanzielle Belastung auch in Zukunft stemmen können. Der Image-Gewinn und die Medienwerte sprechen jedenfalls für sich.“
Die beiden internationalen Top-Highlights des kommenden Jahres sind die EM in Tiflis im April und die WM in Baku im Oktober. Wie sehen die Erwartungen des Verbandes für diese beiden Großveranstaltungen aus?
Poiger: „Unsere Ansprüche sind in den letzten Jahren zusehends gestiegen: Wir haben unter Headcoach Yvonne Snir-Bönisch, seit 2021, bei allen Großereignissen verlässlich abgeliefert. 2025 gab’s dann einen ersten Dämpfer. Auf der World-Tour waren wir nicht weniger als sechsmal am Podium vertreten, aber bei EM und WM gingen wir leer aus. 2026 wollen wir auf allen Linien auf die Erfolgsspur zurück. Fakt ist: Michaela Polleres ist von einer einjährigen Auszeit zurück, Lubjana Piovesana hatte ein gutes halbes Jahr Zeit, einen privaten Schicksalsschlag zu verarbeiten und auch die Verletztenmisere im Nationalteam hat sich deutlich entspannt. Ich glaube, die Zeichen, dass wir unsere hochgesteckten Erwartungen im kommenden Jahr erfüllen können, stehen ausgezeichnet.“
Auf welche nationalen Höhepunkte darf sich der heimische Judo-Fan freuen?
Poiger: „Die Bundesliga-Saison beginnt in der Woche nach dem OÖ-Grand-Prix (am 13.3.). Die Österreichische Staatsmeisterschaft der allgemeinen Klasse findet am 26. September in Oberwart statt, das Final-Four 2026 ist für 21. November in Gmunden angesetzt – die Halle wird auch im kommenden Jahr wieder komplett voll sein. Wie gesagt: Langweilig wird uns aucn 2026 nicht!“