8. März 2026

Ein Feiertag für Guinea

Auf der Tribüne schrie sich Coach Julius Hannig die Seele aus dem Leib, unten auf der Matte konnte Marie Branser ihr Glück nicht fassen. Die 33-Jährige setzte sich im Halbschwergewichtsfinale gegen die um 11 Jahre jüngere Lieke Derks (NED) mit Waza-ari durch und feierte den ersten Sieg auf der IJF-World-Tour – auch den ersten Sieg für den westafrikanischen 10-Millionen-Staat Guinea.

„Man kann sich das bei uns in Europa gar nicht vorstellen, was diese Goldmedaille für die afrikanische Judo-Konföderation und den Judoverband von Guinea bedeutet. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich unterstützt werde und jetzt dem Verband eine Goldene zurückgeben kann“, betont Marie Branser im perfekten Hochdeutsch.

Marie ist aus Leipzig. Judo trainiert sie seit ihrem achten Lebensjahr. 2021 startete sie für die Demokratische Republik Kongo bei den Olympischen Spielen in Tokio, seit 2022 kämpft die Leipzigerin nunmehr für Guinea. In Paris nahm sie vor zwei Jahren an ihren zweiten Olympischen Spielen teil. „Ich lebe weiter meinen Traum – das ist ein Privileg“, erzählt Marie. Judo ist nur ihr Hobby, ihren Unterhalt verdient sie als Vollzeit-Vertriebsangestellte bei Hansefit. „Julius trainiert mich umsonst, das gilt auch für meinen Athletik-Coach. Wir sind Idealisten.“

Die Grand-Prix-Goldmedaille in Linz ist der mit Abstand größte Erfolg ihrer Karriere. „Ich fahre von Linz nach Tschechien zum Trainingslager weiter – dort werde ich mir heute abend ein kleines Bier gönnen.“ Erleichtert zeigte sich derweil auch Judo-Austria-Präsident Martin Poiger: „Damit war eigentlich nicht zu rechnen. Aber zum Glück hatten wir die guineische Hymne – mit dem Titel Liberté – parat.“

© Judo Austria/Oliver Sellner

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