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„Wir werden an Medaillen gemessen!“

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Man schrieb den 12. Oktober 2019. Genau heute, Montag, vor einem Jahr wurde Martin Poiger als Präsident des Österreichischen Judoverbandes gewählt. Der Burgenländer zieht eine Bilanz seiner ersten 365 Tage.
Heute vor einem Jahr hast du das ÖJV-Präsidentenamt angetreten. Hand aufs Herz: Hast Du Deine Entscheidung jemals bereut?
Martin Poiger: „Nicht eine Sekunde, auch wenn es ein ganz besonders herausforderndes Jahr war – mit der Pandemie, der Olympia-Verschiebung und den Verhandlungen über die Rückerstattung der WM-Vorauszahlung: Mir macht der Job Spaß, sowohl im Büro als auch mit den VorstandskollegInnen. Ich glaube, sagen zu können: Wir arbeiten sehr konstruktiv, haben in diesem Jahr viel weitergebracht. Es herrscht eine richtig gute Stimmung, keiner hegt Rücktrittsgedanken…. Auch ich nicht (lacht).“
Wie zufrieden bist Du mit Deinem ersten Präsidenten-Jahr?
Poiger: „Die Sportstrategie 2024 wurde entwickelt und wird bei der Generalversammlung am 24. Oktober im Detail präsentiert. Linz wurde Ende September als neuer Bundesstützpunkt präsentiert. Das Nationalteam wird ab sofort noch mehr gemeinsam trainieren. Wir stehen kurz davor, eine neue Cheftrainerin/einen neuen Cheftrainer zu installieren – die finalen Gespräche laufen, die Präsentation sollte noch im Oktober stattfinden. Wir haben jeden einzelnen Nationaltrainer-Job neu definiert, Anforderungsprofile entwickelt. Das Interesse aus dem Ausland hat alle Erwartungen übertroffen. Für den Chefcoach-Job hatten wir 25 Bewerbungen aus 16 Nationen. Darunter eine Reihe von Top-Leuten. Es tut gut zu sehen, dass unser Nationalteam einen hervorragenden Ruf genießt.“
Wie würdest Du Deinen Führungsstil beschreiben?
Poiger: „Mir ist besonders wichtig, dass der ÖJV als offener, modern geführter Verband wahrgenommen wird und dass wir entsprechend erfolgreich sind. Ich versuche aufmerksam zuzuhören und möglichst viel zu kommunizieren und denke, dass wir im Vorstand die aktuellen Herausforderungen gut meistern. Die Arbeit mit meinen VorstandskollegInnen ist sehr intensiv und geprägt von Transparenz und guter Gesprächskultur – aber genauso wichtig ist auch, dass wir ein offenes Verhältnis mit den Landesverbänden, den einzelnen Vereinen pflegen. Ich bin für jeden zu (fast) jeder Zeit erreichbar. Das hat sich schnell herumgesprochen. Natürlich ist es ein Vorteil, dass ich im Brotberuf Büroleiter des europäischen Judoverbandes bin. Ich bin im Job zu 100 Prozent Judo – das ist sicher kein Nachteil.“
Wie steht’s um die Rückzahlung der IJF-WM-Millionen?
Poiger: „Wir sind in engem Austausch mit dem Ministerium und ich habe mich vor kurzem wieder mit IJF-Präsident Marius Vizer getroffen. Anfang nächsten Jahres sollte die Sache erledigt sein. Ich bin guter Dinge, dass wir einen Großteil der eingezahlten 2 Millionen Euro zurückerhalten. Die Gesprächsbasis ist jedenfalls wieder zu 100 Prozent hergestellt. Das war ein wichtiger Schritt. Klarerweise wollen wir sowohl für den ÖJV als auch für die österreichischen Steuerzahler den Schaden so gering wie möglich halten.“
Die Olympischen Spiele in Tokio mussten um ein Jahr verschoben werden. Mehr als 7 Monate lang gab’s so gut wie keine Wettkämpfe. Wie lässt sich in dieser Situation die sportliche Qualität der Top-AthletInnen beurteilen?
Poiger: „Ich glaube, wir haben – verglichen mit anderen europäischen Ländern – das Beste aus der Situation gemacht. Wir hatten strenge Auflagen, haben eine Reihe von hochwertigen Trainingslagern absolviert. Und wir waren mit den Deutschen die ersten, die wieder einen Wettkampf veranstaltet haben. Das hat uns international viel (positives) Aufsehen gebracht.“
Welche Ziele hat der ÖJV für die kommenden Monate und fürs Olympia-Jahr 2021?
Poiger: „Wir beraten gerade, wie wir den Klubs in COVID-19-Zeiten auch finanziell helfen können. Natürlich ist es mit den derzeitigen Auflagen schwer, einen normalen Trainingsbetrieb aufrechterhalten zu können.“
In Sachen Spitzensport: Was darf man sich vom Nationalteam erwarten?
Poiger: „Klar ist, dass wir mittel- und langfristig an sportlichen Erfolgen gemessen werden. Die letzte Olympia-Medaille datiert aus dem Jahr 2008 (Silber durch Ludwig Paischer), die letzte WM-Medaille (Bronze durch Sabrina Filzmoser in Tokio) ist auch schon 10 Jahre her. Wir wollen dafür sorgen: Dass Medaillengewinne auf höchstem Niveau die Regel sind, nicht die Ausnahme! Das muss unser Anspruch sein.“

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