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„Wir werden ernst genommen!“

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Die ÖJV-Länderkonferenz und der Judo Austria-Vorstand tagten am Wochenende in Salzburg-Eugendorf. Diskutiert wurden u.a. Maßnahmen und Herausforderungen in Zeiten der Corona-Ampel, die geplante Austragung der Staatsmeisterschaften für U-16 (Eferding, 10./11. Oktober) bzw. der allgemeinen Klasse (Oberwart, 17./18. Oktober), die Sport-Strategie 2024 inkl. anstehender Trainer-Besetzungen, Diversität leben und die Entwicklung einer Judo-Austria-App. ÖJV-Präsident Martin Poiger zog in einem ersten Interview noch in Eugendorf Bilanz der 2-tägigen Sitzungen.

Noch im August wurden die Trainerjobs für sämtliche ÖJV-Nationalteams neu ausgeschrieben. Die Einreichungsfrist ging vor einer Woche zu Ende. Herr Präsident, wie begehrt sind Judo-Trainerjobs in Österreich?

Martin Poiger: „Um es in Zahlen zu sagen: 25 Coaches aus 16 Nationen haben sich gemeldet, darunter einige große internationale Kaliber. Wir werden noch im September wichtige Verhandlungen führen, wollen mit Oktober endgültige Entscheidungen treffen. Wir sind uns alle einig: Es wird bei uns auch Kontinuität geben, aber ebenso positive Veränderung. Wir werden unser Versprechen, eine internationale Top-Frau oder einen internationalen Top-Mann zu holen, einhalten. Ich persönlich bin überrascht und stolz, wie groß das Interesse tatsächlich ist. Jedem muss klar sein: Bei uns lassen sich nicht Summen wie in Aserbaidschan verdienen. Aber wir werden in der Judo-Welt ernst genommen!“

Welche strategischen Veränderungen wird es im Leistungssport im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris geben?  Sind da schon erste Entscheidungen gefallen?

Poiger: „Es wird einen Bundesstützpunkt geben, das gemeinsame Training im Nationalteam wird noch mehr Bedeutung bekommen. Ein Beispiel: Wir haben mit Stefan Hegyi und Daniel Allerstorfer zwei Weltklasse-Athleten. Der eine trainiert in Wien, der andere in Linz. Die gemeinsamen Trainingstage werden wir deutlich steigern. Das kann beiden nur guttun. Diese Entscheidung ist im Vorstand schon im Juli gefallen. Jetzt geht’s um die konkrete, effiziente Umsetzung. Dass das Olympia-Zentrum in Linz eine wichtige Rolle spielen wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Details folgen. Wir verhandeln mit potenziellen regionalen ÖJV-Stützpunkten. Es geht darum, übers ganze Land möglichst viele hauptamtliche, hochqualifizierte Trainer bei uns binden zu können. Nur so werden wir mittel- und langfristig internationale Erfolge feiern.“

Wie geht’s mit nationalen Wettkämpfen weiter? Wann gibt’s da einen Re-Start?

Poiger: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Durchführung der U-16-Staatsmeisterschaften in Eferding bzw. den Titelkämpfen der allgemeinen Klasse in Oberwart. Wir haben Konzepte, damit wir die Wettkämpfe in mehreren Gruppen möglichst effizient abwickeln können. D.h. wir werden zu jeder Zeit die Gesamt-Personenzahl der Halle zweistellig halten. Jetzt gilt es zu prüfen, wie die zuletzt angekündigten neuen Verordnungen mit unseren Konzepten verträglich sind. Wir wollen möglichst schnell Klarheit haben. In der kommenden Woche sollten wir da schon mehr wissen. Aber natürlich müssen wir in Zeiten der Ampelregelung flexibel bleiben. Wenn ein Austragungsort „orange“ eingestuft wird, dann werden wir eine kurzfristige Absage nur schwer verhindern können. Tatsache ist, wir kämpfen darum, unter den aktuellen Bedingungen möglichst sichere Wettkämpfe für LeistungssportlerInnen anbieten zu können. Klar ist aber auch: Die Sicherheit der Teilnehmenden hat Priorität.“

Wie geht’s dem Breitensport, wie sehr kämpfen die regionalen Vereine mit der Coronakrise?

Poiger: „In Innsbruck hatten sie Rekord-Zahlen beim Sommertraining, in anderen Bundesländern, besonders in entlegenen Regionen, ist die Situation deutlich schwieriger. Betroffene Vereine, die über finanzielle Einbußen klagen, weil sie konkret Mitglieder verlieren, können wir nur raten: Bitte sucht um Förderungen aus dem NPO-Unterstützungsfonds an, Informationen siehe www.npo-fonds.at.  Darüber hinaus kämpfen wir mit dem Problem, dass (Schul-) Sporthallen geschlossen werden. Da versuchen wir mit den Bürgermeistern über praktikable Lösungen zu verhandeln. Prinzipiell haben wir von Anfang an mit unseren COVID-19-Konzepten und -Maßnahmen alles getan, um ein Judo-Training zu ermöglichen. Sport Austria hat uns da ausdrücklich als Vorzeige-Verband bezeichnet.“

Wann wird’s auf internationaler Ebene wieder Wettkämpfe geben?

Poiger: „Ende Oktober soll die IJF-Tour mit dem Grand Slam in Budapest weitergehen, die EJU hält an der EM in Prag im November fest. Aber natürlich wird man abwarten müssen, ob die wieder ansteigenden Infektionszahlen eine Austragung zulassen. Auch da wird man flexibel sein müssen. Beide Verbände sind bemüht, den Re-Start zu ermöglichen. Man will trotz COVID-19 zumindest teilweise zur Normalität zurückkehren. Das gilt in dieser Deutlichkeit natürlich nur für Judo-Profi-AthletInnen.“

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