25. August 2026

WM-Generalprobe

Langsam wird’s ernst: Noch sind’s 40 Tage bis zum Saisonhöhepunkt Weltmeisterschaft in Baku (AZE/4. 11.10.), stehen im Vorfeld mit Lausanne (SUI/28. – 30.08.) und Budapest (HUN/11. – 13.09.) zwei Grand-Slams auf dem Programm. „Unsere Trainingsleistungen sind vielversprechend. Die zwei Wochen in Kasachstan haben unserem Team richtig gut getan. Wir sind für Lausanne gerüstet. Aber die Konkurrenz kann sich sehen lassen, das Starterfeld hat es durchaus in sich“, meint ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch. Die Wahl-Linzerin spricht im JUDO-AUSTRIA-Interview über ihre Trainingseindrücke, die Erwartungshaltung für den inklusiven Grand-Slam in Lausanne und die bevorstehende Weltmeisterschaft.

Erstmals in der Judo-Geschichte trifft beim Grand-Slam in Lausanne Exzellenz auf Inklusion. Wie bewertest du diese Premiere von Elite-, Para- und Adapted-Judo-Athlet:innen unter einem Dach bei einem gemeinsamen Event?

Yvonne Snir-Bönisch: „Es entspricht dem Zeitgeist und ist ein wichtiger, längst fälliger Schritt. Ich werde mir die Para- und Adapted-Judo-Bewerbe in jedem Fall anschauen. Der inklusive Ansatz ist .sehr zu begrüßen. Die einzige Frage, die ich mir stelle ist, wie sich das logistisch bewerkstelligen lässt, die vielen unterschiedlichen Disziplinen und Kategorien bei nur drei Wettkampftagen. Besonders hervorzustreichen ist, dass auch wir mit Sven Füg einen Adapted-Judo-Athleten am Start haben. Betreut wird er von Marlene Hunger, einer Top-Athletin aus dem Elitebereich, die gerade ihren Job als niederösterreichische Landestrainerin angetreten hat. Das ist ein starkes Zeichen. Wir sind ein Team, freuen uns auf Sven, werden ihn bestmöglich unterstützen!“

Was ist von Judo Austria beim ersten Grand-Slam auf schweizerischem Boden, noch dazu in der Olympiastadt Lausanne, sportlich zu erwarten?

Snir-Bönisch: „Ein Teil unseres Teams – wie Jacqueline Springer, Laura Kallinger, Elena Dengg, Magamed Borchashvilli oder Issa Naschcho – kämpft noch um den WM-Startplatz. Bislang haben erst fünf Athlet:innen die notwendige Norm erfüllt. Ich hoffe, dass wir in Baku ein Team von acht oder mehr Judoka stellen können. Bernd Fasching, als Nummer eins, und Lulu Piovesana, als Nummer fünf, sind am Wochenende gesetzt. Fakt ist: Wenn sie ihre Trainingsform der letzten Wochen ausspielen können, sind sie reif für eine Top-Platzierung. Detail am Rande: Für Bernd ist es eine Premiere, dass er bei einem Grand-Slam die Setzliste – 81 kg anführt. Bleibt abzuwarten, wie er mit seinen 22 Jahren mit dieser für ihn neuen Situation umgeht. Ein wichtiger Faktor wird einmal mehr die Auslosung sein. Im Halbmittelgewicht der Männer haben 54 Starter genannt. Die Hälfte hat das Zeug für eine Medaille.“

Die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin Michaela Polleres fehlt in Lausanne, warum?

Snir-Bönisch: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Michaela sehr gut damit fährt, wenn sie ihre Turnierteilnahmen selektiv aussucht. Sie wird beim Grand-Slam in Budapest am Start stehen – das reicht ihr als WM-Test. Auch wenn sie zuletzt keine Top-Resultate hatte, gibt es keinen Grund, nervös zu werden. Am Tag X wird mit Polleres zu rechnen sein.“

2025 war – was die Großereignisse (EM, WM) betrifft – ein medaillenloses Jahr. Wie stehen die ÖJV-Chancen für die bevorstehende WM in Baku?

Snir-Bönisch: „Ans letzte Jahr denkt niemand mehr. Wir hatten bekanntermaßen einen großen Umbau zu verkraften, einige Top-Leute haben aufgehört. So ein Generationswechsel dauert seine Zeit. 2026 sind wir längst in der Spur zurück. Unser Anspruch für Baku ist eine WM-Medaille und ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen.“


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