8. September 2026

Safety first

Turnierveranstalter können ein Lied davon singen: Medizinisches Personal für Wettkämpfe zu finden – erst recht, wenn es um kleinere Nachwuchs- und Regional-Events geht – wird zusehends herausfordernder. Ärztinnen und Ärzte sind speziell an Wochenenden nicht verfügbar, und auch Rettungsdienste können Veranstaltungen aufgrund personeller Engpässe nicht ausreichend besetzen. Ab sofort gibt es Abhilfe – in Form der Ersthelfer:innen-Ausbildung. Personen mit medizinischer Vorbildung werden im Rahmen eines Online-Seminars gezielt auf die Anforderungen im Judo vorbereitet – Zertifizierung inklusive. Das erste Online-Seminar findet Dienstagabend, den 8. September, statt. 35 Personen sind angemeldet. Kostenpunkt: 50 Euro. Weitere Kurse werden folgen…. JUDO AUSTRIA sprach mit GP-Linz-Arzt DDr. Joachim Gruber, 36, Oberarzt auf der Neurologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz.

Muss ein Ersthelfer selbst Judo-Wettkampferfahrung besitzen?

DDr. Joachim Gruber: „Kampfsport-Erfahrung ist natürlich kein Nachteil. Ich habe Karate gelernt – bis zum braunen Gürtel -, dann auch zwei Jahre Thaiboxen praktiziert.“

Was müssen Ersthelfer:innen in jedem Fall wissen?

DDr. Gruber: „Man braucht kein Arzt zu sein, um effizient helfen zu können. In der Praxis braucht es nur selten den Notruf und eine entsprechende Rettungskette. Aber der Reihe nach: Es gibt ein paar wesentliche Verhaltensmaßnahmen: Ruhe ausstrahlen, langsam und deutlich sprechen und möglichst aufmerksam sein. Wer zu hundert Prozent bei der Sache ist, kann auch Vorfälle, Verletzungen entsprechend besser beurteilen. Ganz wichtig ist auch die enttsprechende Notfalls-Ausrüstung wie persönliche Handschuhe, Desinfektionsspray, Pflaster, elastische Kompressen bis hin zur Schere und zum Dreieckstuch… Das Handy nicht zu vergessen – für Notfälle.“

Bekommen Judoka im Wettkampf eine medizinische Extrabehandlung oder werden sie versorgt wie Ambulanz-Patienten?

DDr. Gruber: „Der Faktor Zeit spielt im Wettkampf natürlich eine Rolle. Nasenbluten, um nur ein Beispiel zu nennen, kannst du neben der Matte nicht so behandeln wie im Spital. Da lässt du die Patientin/den Patienten hinsetzen, sagst ihm, er soll auf die Nase drücken… Man wartet 15 Minuten. Im Wettkampf bleibt dafür keine Zeit, arbeitet man mit Watte-Nasenstöpsel und weiter geht’s.“

Du warst schon bei zahlreichen Judo-Turnieren im Einsatz. Was war die bislang schlimmste Verletzung, die dir im Rahmen eines Wettkampfes untergekommen ist?

DDr. Gruber: „Eine potentielle Kopf- und Wirbelsäulenverletzung. Ich habe dem verletzten Judoka eine Halskrause angelegt, er wurde ins Spital gebracht. Weil er im Kepler Klinikum behandelt wurde, habe ich später erfahren, dass sich der Verdacht zum Glück nicht bestätigt hat. Er hat den Vorfall unbeschadet überstanden, konnte einigermaßen beruhigt heimfliegen.“

Wann ist besondere Vorsicht geboten?

DDr. Gruber: „Wir sprechen von Red Flags. Dann ist der Notruf (144) zu wählen und die Rettungskette zu aktivieren. das gilt u.a. bei Bewusstlosigkeit, anhaltender Verwirrtheit, Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung, offene Frakturen, starke, nicht stillbare Blutungen und Atemnot. Merke: Lieber einmal zu früh den Notruf wählen als einmal zu spät.“

Noch eine private Frage zum Abschluss: Wirst du Judo selbst auch mal ausprobieren?

DDr. Gruber: „Ich möchte, dass mein Sohn Finn, er ist 6 Jahre alt, mit Judo beginnt. Für mich ist es wohl zu spät…“


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