Judo-Austria-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch sorgte – seit ihrem Amtsantritt 2021 – für Erfolge am Fließband. Längst vergessen schien die Zeit, als man 11 Jahre auf eine rot-weiß-rote WM- und 13 Jahre auf eine ÖJV-Olympia-Medaille warten musste. Die Bilanz der letzten fünf Jahre spricht für sich: 3 Olympia- und 3 WM-, dazu auch noch 2 EM- Medaillen sowie ein Masters-Sieg, dazu 40 Podiumsplätze auf der IJF-World-Tour. Einziger Schönheitsfehler: Die letzte WM-Medaille, Bronze durch Michaela Polleres in Doha, liegt bereits 1.242 Tage –sprich drei Jahre und vier Monate -zurück.
Von 4. bis 11. September 2026 geht in Baku (AZE) die 39. Judo-Weltmeisterschaft in Szene. 634 Judoka aus 96 Nationen scheinen in der Startliste auf – darunter nicht weniger als 10 (von 14) Weltmeister:innen von Budapest 2025 sowie 12 Weltranglisten- Leader. Österreich tritt im Einzel mit sechs Aktiven an. Das ÖJV-Team wird von Michaela Polleres (-70/JC Sparkasse Wimpassing/NÖ), zweifache Olympia- und WM-Medaillengewinnerin, angeführt. Die 29-jährige Niederösterreicherin bestreitet ihre bereits 6. Weltmeisterschaft: „Mindestziel ist eine Top-7-Platzierung. Ich fühle mich top-vorbereitet – wir hatten sehr starke Trainingslager in Kasachstan, der Türkei und zuletzt in Deutschland.“
Headcoach Yvonne Snir-Bönisch ist überzeugt: „Wir wollen möglichst schnell in die Erfolgsspur zurück – unser WM-Anspruch ist der Gewinn zumindest einer Medaille, umso mehr, weil wir bei den letzten zwei Weltmeisterschaften leer ausgegangen sind. Diese Schieflage – entstanden durch einen Generationenwechsel – wollen wir schnellstmöglich zurechtrücken. Fakt ist: Michaela Polleres und Lubjana Piovesana haben beide das Zeug für eine Top-3-Platzierung in Baku. Klar ist aber auch, dass beide diesmal nicht gesetzt sind. Wie schwer das wiegt, werden wir nach der Auslosung am Samstag wissen.“
Nicht gerade begeistert zeigt sich die ÖJV-Cheftrainerin vom überlangen Olympia-Qualifikationsmodus und der Terminplanung des Internationalen Judoverbandes (IJF): „Die Qualifikationsphase läuft bis Juni 2028 – d.h. gut zweieinhalb Jahre. Pro Gewichtsklasse gibt’s 17 Direkt-Tickets für Los Angeles. Wer nicht zu den absoluten Top-Leuten im Ranking gehört, der muss möglichst viele World-Tour-Turniere bestreiten, dazu auch noch an zwei Europa- und drei Weltmeisterschaften teilnehmen. Die letzte WM, im Jahre 2028, bringt 100 Prozent der Punkte, also doppelt so viele wie die zwei Auflagen zuvor. Es wird wohl nicht viele ÖJV-Asse geben, die es sich leisten können, die WM im Olympia-Jahr auszulassen. Aber genau das wäre für eine ideale Olympia-Vorbereitung vonnöten.“ Nachsatz: „Es braucht einen nicht weiter zu wundern, wenn viele Nationen über eine lange Verletztenliste klagen. Auch bei uns fehlen – mit Bernd Fasching (Knöchel-Luxation, Wadenbeinbruch, die Nummer 9 in der Kategorie – 81 kg, und Schwergewichtler Stephan Hegyi – zwei absolute Top-Asse. Das ist traurig und ärgerlich zugleich.“
Noch vier Tage: Lubjana „Lulu“ Piovesana (-63/LZ Hohenems/V) reist mit Yvonne Snir-Bönisch am kommenden Sonntag (zum WM-Start) in Aserbaidschans Hauptstadt. Die 29-jährige Austro-Britin, aktuell als Nummer 12 der Weltrangliste die bestplatzierte im ÖJV-Team, wird als erste Österreicherin am 7. Oktober (Mittwoch, 4. Wettkampftag) im Einsatz sein. Tags darauf treten Michaela Polleres und der EM-Fünfte Thomas Scharfetter (-90/JC Sanjindo Bischofshofen/S) in Aktion.
Zahlen und Fakten zur 39. Judo-Weltmeisterschaft in Baku/AZE (04. – 11.10.2026):
- In der Nennliste scheinen aktuell (30.09.) 637 Judoka aus 96 Nationen auf – angeführt von 10 Titelverteidiger:innen von Budapest 2025 (-48: Assunta Scutto/ITA, -52:Uta Abe/JPN, -57: Eteri Liparteliani/GEO, -63: Haruka Kaju, -70: Shiho Tanaka/beide JPN; -60; Ryuju Nagayama, -66: Takeshi Takeoka/beide JPN, -73: Joan-Benjamin Gaba/FRA, -90: Sanshiro Murao/JPN, +100: Inal Tasoev/RUS).sowie nicht weniger als 12 Weltranglisten-Ersten (-48: Xinran Hui/CHN, -57: Eteri Liparteliani/GEO,-63: Haruka Kaju/JPN, -70: Lara Cvjetko/CRO, -78: Anna Monta Olek/GER, +78: Raz Hershko/ISR; -60: Balabay Aghayev/AZE, -66:Takeshi Takeoka/JPN, -73: Muhiddin Asadulloev/TJK, -90: Sanshiro Murao/JPN, -100: Gennaro Pirelli/ITA, +100: Inal Tasoev/RUS).
- Die größten Delegationen stellen Gastgeber Aserbaidschan mit 24 Aktiven (u.a. mit den Olympiasiegern Hidayat Heydarov/-73 sowie Zelym Kotsoiev/-100, gefolgt von Brasilien, Italien, Japan, Korea, Russland sowie den USA (je 18). Die Judo-WM findet nach 2018 zum bereits zweiten Mal in der 2,3-Millionen-Einwohner-Metropole statt. Austragungsort ist die 6.000 Besucher:innen fassende Nationale Turn-Arena. 2018. 2018 waren insgesamt 755 Judoka aus 124 Nationen am Start. Österreich belegte vor acht Jahren in der Nationenwertung den geteilten 35. Rang. Einzige Ausbeute war Platz sieben von Kathi Unterwurzacher (-63). Judo-Großmacht Japan räumte 7 x Gold, 5 x Silber und 4 x Bronze ab.
- An Preisgeld werden 800.000 Euro verteilt. Für den WM-Titel gibt’s 26.000 Euro (davon erhält 20.800 € die Athletin/der Athlet bzw. 5.200 der Coach. Der Vize-Weltmeistertitel bringt 15.000 (12.000/3.000), für Platz drei gibt’s noch 8.000 (6.400/1.600) zu verdienen. Für die Weltrangliste werden den Titelträger:innen jeweils 2.000 Zähler gutgeschrieben, für Rang zwei gibt’s 1.400 Punkte, für Platz drei 1.000.
Österreichs WM-Team für Baku (in chronologischer Reihenfolge, Durchschnittsalter: 25,2 Jahre):
Mittwoch, 7. Oktober, 4. Wettkampftag (Vorrunde ab 08:30 MESZ, Finalblock ab 16:00), -63 kg: LUBJANA PIOVESANA (LZ Hohenems/V), aktuell die Nr. 12 der IJF-Weltrangliste, 29-jährig, 4. WM-Teilnahme, größte Erfolge: Olympia-Fünfte 2024 Paris, WM-Fünfte 2023 Doha, 2-fache Grand-Slam-Siegerin (Duschanbe/TJK, Baku/AZE, jeweils 2024), Resultate 2026: jeweils Dritte bei den Grand-Slams in Duschanbe/TJK und Ulaanbaatar/MGL, Fünfte beim GS in Budapest, internationale Kampfbilanz 2026: 11 Siege, 8 Niederlagen;
Donnerstag, 8. Oktober, 5. Wettkampftag (Vorrunde: 08:30 MESZ, Finalblock: 16:00), -70: MICHAELA POLLERES (JC Sparkasse Wimpassing/NÖ), aktuell Nr. 13 im IJF-Ranking, 29 Jahre, 6. WM-Teilnahme, größte Erfolge: Olympia-Silber 2021 Tokio/JPN, Olympia-Bronze 2024 Paris/FRA, 2-fache WM-Medaillengewinnerin (2023 Doha/QAT, 2021 Budapest/HUN), Resultate 2026: zuletzt am 12. September Dritte beim Grand-Slam von Ungarn in Budapest, Zweite beim Grand-Slam in Duschanbe/TJK, Siegerin des Heim-Grand-Prix in Linz, Kampfbilanz: 15:7; -90: THOMAS SCHARFETTER (JC Sanjindo Bischofshofen/S), IJF-Ranking: Platz 53, Alter: 25, größte Erfolge: EM-Fünfter 2026 Tiflis/GEO, GP-Dritter 2023 Linz, GP-Fünfter 2025 Linz, Kampfbilanz: 8:11;
Freitag, 9. Oktober, 6. Wettkampftag (Vorrunde: 08:30, Finalblock: 16:00), -78: ELENA DENGG (JC Sanjindo Bischofshofen/S), Alter: 22, Weltranglisten-Platzierung: Platz 58, 3. WM-Teilnahme, größte Erfolge: Junioren-Weltmeisterin 2024 Duschanbe/TJK, U23-Europameisterin 2024 Pila/POL, Resultate 2026: 5. Grand-Slam Lausanne/SUI, 5. European Open Sofia/BUL, Kampfbilanz: 7:7;
Samstag, 10. Oktober, 7. Wettkampftag (Vorrunde: 09:30, Finalblock: 16:00), +78: MARIA HÖLLWART (JC Sanjindo Bischofshofen/S), Weltrangliste: Rang 71, Alter: 26, 4. WM-Teilnahme, größte Erfolge: Siebente beim Heim-GP 2025 Linz, U23-EM-Fünfte 2021 Budapest/HUN, Resultate 2026: 1. European Open Prag/CZE, 5. European Open Sarajevo/BIH, Kampfbilanz: 4:4; +100: MOVLI BORCHASHVILLI (Sportzentrum Galaxy Tigers/NÖ), 42. im IJF-Ranking, 25-jährig, 2. WM-Teilnahme, größte Erfolge: Dritter Grand-Prix (World-Tour) 2024 Zagreb/CRO, Resultate 2027: 1. Tahiti Oceania Open, 3. Prag European Open, 3. Sofia European Open, Kampfbilanz: 10:6;
Sonntag, 11. Oktober, 8. Wettkampftag, Mixed Team (17 Nationen haben genannt, Vorrunde: 07:30, Finalblock: 16:00), Team Austria wird ergänzt durch LAURA KALLINGER (-57/Judoring/W), Weltrangliste: Rang 83, Alter: 24, 2. WM-Teilnahme (nach 2024), Erste bei den European Open 2026 Prag/CZE, FIRAS BEN SAAD (-73/LZ Multikraft Wels/OÖ), IJF-Ranking: Rang 235, Alter: 22, Siebenter beim European Cup 2026 Sarajevo/BIH.