„Ich hätte mir gewünscht, dass ich in Linz noch zu zwei, drei Kämpfen komme. Aber einen unangenehmeren Auftaktgegner als den Polen Piotr Kuczera hätte ich mir kaum vorstellen können. Natürlich ist es schade, dass ich über 3:06 Minuten Netto-Kampfzeit nicht hinausgekommen bin. Aber meine Entscheidung stand längst fest, dieser World-Tour-Auftritt wird mein letzter sein. Ab sofort kämpfe ich nur mehr – als Hobby-Athlet sozusagen – in der österreichischen und deutschen Judo-Bundesliga. Meine Profikarriere ist beendet“, stellt der 31-jährige Vorarlberger klar. Im Gespräch mit JUDO AUSTRIA blickt Laurin auf die letzten zwölf Jahre im Judo-Zirkus zurück und formuliert Ziele für die berufliche Karriere nach dem Leistungssport.
Warum ist der 8. März 2026 für dich der ideale Zeitpunkt zum Aufhören?
Laurin Böhler: „Weil ich seit Jahren nicht ohne schmerz- und entzündungshemmende Medikamente trainieren kann. Mein Körper lässt eine weitere Olympia-Kampagne leider nicht mehr zu. Ich habe zahlreiche Verletzungen und neun Operationen hinter mir. Ich habe – rückblickend gesehen – in meiner Leistungssportkarriere viele Fehler gemacht, war oft zu ungeduldig und habe Turniere bestritten, die ich besser ausgelassen hätte. Ich sehe das jetzt auch bei Lulu (Lubjana Piovesana, Lebensgefährtin) und anderen Nationalteamkollegen. Die sollten nichts riskieren und länger mit dem Wiedereinstieg ins Turniergeschehen warten. Aber das sagt sich leicht… Als Athlet willst du in der Tendenz immer zu früh wieder auf die Matte. Jede meiner neun Operationen würde ich heute gerne rückgängig machen.“
12-Jahre IJF-World-Tour, 6 WM- und 3 EM-Teilnahmen, vier Grand-Slam-Medaillen, dazu 3 Stück Edelmetall auf Grand-Prix-Niveau. Wie sieht deine persönliche Bilanz deiner Judokarriere aus?
Böhler: „Die Bronzemedaille beim Heim-Grand-Prix 2024 in Linz war ganz sicher ein Highlight, die Grand-Slam-Medaillen natürlich auch. Mein bestes Judo habe ich sicher im Februar 2019 beim Grand-Slam in Düsseldorf gezeigt… Ich hatte viele schöne Momente. Schade ist eigentlich nur, dass ich es nicht zu Olympischen Spielen geschafft habe. Das wäre definitiv im Bereich des Möglichen gelegen.“
Wird man dich bei Judo-Events auch weiterhin antreffen?
Böhler: „Wie gesagt, ich trainiere sicher weiter und will regelmäßig – für Burgkirchen-Schwand – in der Bundesliga kämpfen. Judo macht mir immer noch großen Spaß – das ist keine Frage. Und natürlich werde ich Lulu bei Wettkämpfen auch vor Ort die Daumen drücken. Das versteht sich von selbst.“
Welchen Berufsweg willst du einschlagen – gibt es da schon konkrete Pläne?
Böhler: „Ich arbeite ja schon seit mehreren Monaten im Vertrieb bei Disteco, der Firma meiner Eltern, und ich möchte heuer noch mein Energiewirtschaftsstudium erfolgreich abschließen – drei Prüfungen fehlen noch. „
Letzte Frage: Auf was freust du dich am meisten, was als Profi-Judoka nur sehr schwer möglich war?
Böhler: „Ich liebe Motorräder, will zum Beispiel in Marokko eine mehrwöchige Bike-Tour machen. Das war in den letzten Jahren in dieser Form so nicht möglich.“
