Nach mehr als 4.500 Tagen bzw. 150 Monaten – zeitgleich mit einer Verlautbarung des Österreichischen Olympischen Comités – verkündet ÖJV-Sportdirektor Markus Moser seinen überraschenden Abschied von Judo Austria. Knapp 13 Jahre war der 36-jährige Wiener und gelernte Sportwissenschafter bei seinem ersten Arbeitgeber tätig. Zuerst als Sportkoordinator, seit 2017 in der Funktion des Sportdirektors. JUDO AUSTRIA führte mit MM das erste Interview zum Karrieresprung.
Mit September trittst du beim Österreichischen Olympischen Comité den Job als „Leiter Sport“ an. Wie kam’s zu diesem Wechsel?
Markus Moser: „Wenn’s in Österreich einen Job gab, der mich interessiert hat – neben dem des ÖJV-Sportdirektors – dann der als Leiter Sport beim ÖOC. Aber es brauchte seine Zeit, bis ich mir sicher war, dass ich diesen Karrieresprung wagen will. Ich habe mehrere Wochen überlegt, ein mehrstündiges Gespräch mit meiner Frau Ayse brachte die Entscheidung. Nach dem Motto: Man bereut später nur Möglichkeiten, die man nicht ergreift bzw. es gar nicht probiert…“
Welche Gründe sprachen für einen Wechsel?
Moser: „Die Judowerte – mit denen ich seit meinem 6. Lebensjahr aufgewachsen bin – und die Olympischen Werte gleichen einander sehr. Tugenden wie Respekt, Fairness, Ehrlichkeit, um nur drei zu nennen. Seitdem ich vom Sport-Mastersstudium auf der Hochschule Köln zurück bin und für den ÖJV arbeite, haben mich die olympischen Ringe begleitet. Die Kontakte zum ÖOC sind über die Jahre mehr oder weniger automatisch entstanden. 2005 war ich als Jugendlicher bei Europäischen Jugendspielen (in Lignano), 2015 habe ich als Sportkoordinator EYOF-Gold von Stephan Hegyi in Tiflis miterlebt, 2024 war ich bei den Spielen in Paris Judo-Delegationsleiter und durfte mich über Bronze von Michaela Polleres freuen. Ich bin überzeugt, dass beim ÖOC eine spannende Zeit auf mich wartet. Natürlich reizt es mich, für alle Fachverbände die Mission Olympia vorbereiten zu können, Synergien zu schaffen, daran zu arbeiten, noch erfolgreicher zu werden.“
Deine Ära beim Judoverband verbindet man mit einer radikalen Neustrukturierung des Leistungssportbereichs. Mit dieser Änderung kamen langsam aber sicher die Erfolge zurück. War das dein größter Erfolg?
Moser: „Was Judo Austria auszeichnet ist, dass alle an einem Strang ziehen und in unterschiedlichen Positionen Personen sitzen, die in ihrem Fachbereich top sind. Präsident Martin Poiger ist seit langem international für den Europäischen Verband tätig, Generalsekretärin Corina Korner führt einen erfolgreichen Judoverein, ist Kampfrichterin, war im Sportministerium tätig und hat zuletzt auch erfolgreich die Trainerprüfung abelegt. Headcoach Yvonne-Snir Bönisch, als Judoka Olympiasiegerin, arbeitet ständig daran, sich weiterzuentwickeln und grübelt an neuen Konzepten, versucht unsere Aktiven besser zu machen…. Alle Personen im Verband sind Spezialistinnen und Spezialisten, die im Team bestens funktionieren – so wie es bei einem kleinen Sportverband sein sollte. Ich hab’s wirklich als Privileg empfunden, in diesem Team arbeiten zu dürfen und natürlich war es schön, dass mit dem neuen Trainer-Stab, der Teil-Zentralisierung und dem Bundesstützpunkt Linz langsam aber sicher der Erfolg zurückkam.“
Welchen (Erfolgs-) Moment in diesen knapp 13 Jahren hast du als besonders emotional empfunden?
Moser: „Wir als Verband mussten seit 2010 auf eine WM-Medaille warten, seit 2008 auf eine Olympia-Medaille. Als Michi Polleres 2021 in Budapest WM-Bronze holte, waren wir unfassbar glücklich und erleichtert. Es war ein Gänsehautmoment, wie man ihn nicht oft erlebt. Zwei Monate später gewannen Michi und Shamil dann auch Olympia-Silber und -Bronze…“
Wenn du einen Wunsch frei hättest…. Was würdest du dir im neuen Job wünschen?
Moser: „Dass die Zusammenarbeit aller Stakeholder – Athlet:innen, Fachverbände, öffentliche Stellen usw. – Schritt für Schritt noch effektiver wird. Aber in erster Linie freue ich mich auf neue spannende Herausforderungen und hoffentlich viele Medaillen – Judo inklusive.“

