26. Mai 2026

Matura - Matte - Matura

Die Hautfarbe ist vielleicht ein bisschen fahler als sonst und der Puls schlägt ungleich höher. Auch das Schlafpensum rutscht gelegentlich in den roten Bereich. Wenn der Heim-Junioren-Europacup in Graz (30./31.05.) vor der Türe steht, ist doppelter Stress angesagt. Und es liegt nur zum Teil am Heimvorteil und daran, dass von vielen ÖJV-Talenten die Eltern, Geschwister und Freunde mitanreisen.

Erraten? Für Helena Rottenhofer (-63), Marlene Schinwald (-57/beide JU Raika Flachgau/S), Felix Einfinger (-73/JZ Innsbruck/T) und Michael Pröll (-81/UJZ Mühlviertel/OÖ) gilt: Sie haben allesamt die (schriftliche) Matura hinter sich gebracht, kämpfen am kommenden Wochenende im Raiffeisensportpark um die EM-Norm (außer Marlene, die hat als einzige schon beide Qualifikationskriterien erfüllt) und treten nächste Woche dann noch zur (mündlichen) Matura an – mit der Hoffnung, die Reifeprüfung gleich im ersten Anlauf und ohne viel Zittern zu schaffen. Um noch heuer und ohne unnötige Verzögerung ihre Leistungssportkarriere als Sportsoldat:innen starten zu können.

„Für uns ist diese Situation nicht neu, für unsere Athlet:innen schon“, wissen ÖJV-Junioren-Nationaltrainer Michael Winkler und Sportdirektor Markus Moser. JUDO AUSTRIA bat die beiden vor der Abreise in die steirische Landeshauptstadt zum Blitz-Interview.

Mit welchen Erwartungen reist ihr zum Heim-Junioren-Europacup in die Steiermark?

Markus Moser: „Organisatorisch gesehen könnten wir nicht glücklicher sein: Das Meldeergebnis – mit 676 Judoka aus 34 Nationen – übertrifft unsere kühnsten Erwartungen. Wir mussten noch drei zusätzliche Hotels um Zimmer bitten und wir können schon jetzt sagen, dass Graz damit zur klaren Nummer 1 unter den Junioren-Europacupturnieren aufsteigt. Zum Vergleich: In Lignano hatten sie zuletzt 595 Starter:innen. In Graz lag der Nennrekord bislang bei 511 Starter:innen. Heuer sind wir in neuen Sphären angekommen. Das passt insofern gut ins Bild: Im Jänner veranstalten wir als Verband das Olympic Training Camp in Mittersill, im März gastiert in der Linzer Tips Arena die World-Tour und im Juni ist Junioren-Europacup-Zeit. Für alle drei Events gilt: Das Interesse für jede dieser drei Veranstaltungen ist enorm – punkto Teilnehmer:innen rangieren wir meistens ganz vorne, in jedem Fall aber unter den Top-3. Das mag zum einen an der geographisch günstigen Lage von Österreich in Zentraleuropa und der damit verbundenen leichten Anreise für viele anderen europäischen Nationen liegen, aber das hat auch mit unseren organisatorischen Fähigkeiten und der Gastfreundschaft zu tun. Alle Delegationen fühlen sich bei uns gut aufgehoben. Das ist ein Gütesiegel, den wir uns jedes Jahr wieder neu erarbeiten wollen.“

Sportlich gesehen heißt das: Wer in Graz mithalten kann, der sollte auch bei der EM konkurrenzfähig sein, richtig?

Michael Winkler: „Die Quantität und Qualität des Starterfeldes ist top – das heißt für unser 51-köpfiges Team: Die Trauben hängen heuer besonders hoch. Wenn du in den Finalblock willst, musst du mindestens 3 x siegen, in den Gewichtsklassen mit besonders vielen Teilnehmer:innen sogar bis zu sechsmal. Das wird alles andere als leicht – und dazu kommt, dass Helena, Marlene, Felix und MIchi, um nur vier zu nennen, im Moment auch im Matura-Stress stehen. Die konnten zuletzt nur ein eingeschränktes Trainingspensum absolvieren. Also: Die Vorzeichen sind nicht besonders günstig. Aber damit musst du als Leistungssportler:in umgehen können.“

Mit Marlene Schinwald – als Nummer 7 – und Helena Rottenhofer – als Nummer 8 – sind heuer nur zwei ÖJV-Athletinnen gesetzt. In den letzten vier Jahren hat Judo Austria in Graz nicht weniger als 11 Medaillen gewonnen. Wäre es naiv zu glauben, dass die Erfolgsserie auch heuer weitergeht?

Moser: „Unser Anspruch ändert sich nicht: Wir wollen mindestens eine Medaille holen. Rein von der Papierform her wird es heuer ungleich schwerer als in den letzten Jahren. Aber das muss im Judo nichts heißen. Wir erwarten von unserem Nachwuchs, dass sie hundertprozentigen Einsatz zeigen und sich allen Herausforderungen stellen. Nicht immer geht man als Sieger:in von der Matte. Was zählt ist, dass man alles versucht hat…“

Winkler: „Der Heim-U21-Europacup ist eine wichtige Standortbestimmung und eine ideale Generalprobe für die kommenden Großereignisse – EM & WM. Dort wartet auf unsere Asse eine noch stärkere Konkurrenz. Dann wird abgerechnet – Graz ist nur ein wichtiger Zwischenschritt.“


Verwandte News

Partner und Sponsoren