Verkehrte Junioren-Europacup-Welt zur Halbzeit des U21-Europacups in Graz: Nicht weniger als neun europäische Nationen scheinen unter den Top-10 im Medaillenspiegel auf – fünf von sieben möglichen Goldmedaillen teilen sie untereinander auf. Nummer eins im Medaillenspiegel ist dennoch keine europäische Nation, sondern Brasilien. Die 28-köpfige Südamerika-Delegation streifte zwei Gold- und zwei Bronzemedaillen ein. Ana Soares (+78) aber bereits als Nummer zwei gesetzt, hatte vor einem Monat den U21-Panamerika-Titel geholt und ihren ersten Sieg gefeiert. In Graz war die 18-Jährige erneut nicht zu schlagen. Für ihre vier Siege stand Ana ganze 8:25 Minuten Netto-Kampfzeit auf der Matte. Spätestens jetzt muss man Soares zu den Top-Favoritinnen für die WM in Taschkent Mitte November zählen.
Die zweite Goldmedaille für die Samba-Nation kam hingegen einer großen Überraschung gleich: Für Victor Hugo Silva (-60), 18, war es das erste internationale Junioren-Turnier seiner Karriere. Im IJF-Ranking schien er bis Samstag nicht auf. Jetzt, sechs Siege später, wird man sich den Namen merken müssen.
Gemeinsam mit den Brasilianer-innen feierte auch Gastgeber Österreich. Für den insgesamt dritten rot-weiß-roten Heimsieg in der fünften Graz-Auflage sorgte mit Leonie Bayr (-70/Vienna Samurai/W) eine ebenfalls ungesetzte Athletin. „In Poznan habe ich gegen Diana Benkova zwei Konter einstecken müssen und verloren, diesmal war ich viel defensiver, habe mehr Köpfchen bewiesen. So konnte ich den Spieß umdrehen. Für mich kommt dieser Sieg gar nicht so überraschend. Nach Bronze in Poznan wusste ich, dass auch ein Sieg möglich ist.“
Erstmals mit Gold ausgezeichnet wurde auch die 19-jährige Neza Mesicek (-63), die in einem rein-slowenischen Finale die höher eingeschätzte EYOF-Siegerin Ilariia Tsurkan – als Nummer 2 gesetzt – bezwang.
Keine Überaschungen waren die Erfolge von Europameister Mahammad Musayev (-66/AZE) und der Lignano-Triumphatorin Aurora Mengia (-78/ITA). Bleibt die Frage, ob Europas Top-Nationen am zweiten Wettkampftag Brasilien noch vom (Medaillenspiegel-) Thron stoßen können?