18. Juni 2026

Nachgefragt

Das Grand-Slam-Turnier in der Steppe-Arena in Ulaanbaatar (MGL) war bislang nicht gerade für große Starterfelder bekannt. Bei der World-Tour-Premiere im Jahre 2022 waren es gerade mal 255 Judoka aus 30 Nationen. Halbmittelgewichtler Shamil Borchashvilli durfte sich damals über Silber freuen. Die bisherige Rekordmarke datiert aus 2023 – mit 344 Teilnehmer:innen aus 44 Nationen. Heuer ist alles anders: Der Mongolei-Tour-Stopp läutet zugleich den Beginn der Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 ein. Die Folge: Die Stars kommen in Scharen – insgesamt sind es 454 aus 58 Nationen, darunter 6 Weltranglisten-Erste und 84 Athlet:innen aus den Top-10 der Weltrangliste. JUDO AUSTRIA bat ÖJV-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch nach der Auslosung am Donnerstag zum Kurz-Interview.

Yvonne, jetzt, wo du die Auftaktgegner deiner sechs Starter:innen kennst, mit welchen Erwartungen gehst du in das erste Olympia-Qualifikations-Wochenende für Los Angeles?

Yvonne Snir-Bönisch: „Ich bleibe dabei, was ich schon vor dem Abflug gesagt habe: In den meisten Gewichtsklassen hat das Teilnehmerfeld WM-Format. Wer hier gewinnt, der hat sich die 1.000 Weltranglisten-Punkte für den Sieg mehr als verdient. Jede Top-7-Platzierung hier ist als Erfolg zu werten und ich kann jetzt schon versprechen: Grand-Slams mit diesem Star-Faktor wird es im heurigen Jahr nicht mehr viele geben. Aber genau darin liegt auch der Reiz – wir wollen uns mit den Besten messen und sehen es als ersten Härtetest für die WM Anfang Oktober in Baku. Schau‘ dir beispielsweise die Kategorie bis 70 kg an: Michaela Polleres ist hier als Nummer 12 im IJF-Ranking nicht gesetzt. Aus den Top-10 sind nicht weniger als acht Athletinnen am Start.“

Konkret gesprochen, wer hatte Losglück, wer weniger?

Snir-Bönisch: „Lubjana Piovesana bekommt es in der Runde der letzten 32 mit der Serbin Nina Simic zu tun – die hat sie schon zweimal besiegt. Diese Aufgabe ist machbar. Das gilt auch für Michaela Polleres, auch wenn sie bislang noch nie gegen Sinem Oruc aus der Türkei gekämpft hat. Andererseits: Auf beide wartet dann die Nummer eins… Besonders hart hat es Bernd Fasching erwischt: Er ist im letzten Moment noch als Nummer acht in die Setzliste gerutscht – statt dem Olympia-Dritten Joonhwan Lee, der seit letztem Juli keinen Wettkampf mehr bestritten und sechs Plätze im IJF-Ranking verloren hat. Vor der Auslosung haben wir noch gesprochen, dass Lee der vermeintlich schwierigste Gegner für Bernd als gesetzter Athlet wäre. Und Lee ist es dann tatsächlich geworden, sofern er sich in seinem Erstrunden-Duell gegen einen mongolischen Nachwuchskämpfer durchsetzt, wovon auszugehen ist. Und wenn Bernd sich durchsetzen sollte, trifft er im Viertelfinale auf Welt- und Europameister Arbuzov. Ein richtig schwerer Brocken!“

Apropos Nummer eins: Auch Thomas Scharfetter (-90) würde es – 2 Siege vorausgesetzt – mit dem Olympia-Zweiten und top-gesetzten Sanshiro Murao (JPN) zu tun bekommen….

Snir-Bönisch: „Es gilt für alle – es wird mega-hart. Schwergewichtler Stephan Hegyi muss am Sonntag gegen Valerii Endovitskii aus Russland ran, der ist zwar ungesetzt, aber war im April EM-Dritter und hat letzten Dezember den Prestige-Grand-Slam in Tokio gewonnen. Der ist auch verdammt stark. Ich glaube spätestens jetzt versteht jeder, warum fast alle Coaches sagen: Wer sich in diesem Jahr in Ulaanbaatar durchsetzt, der kann das überall, selbst bei der WM! Es wäre als Erfolg zu werten, wenn wir im Finalblock vertreten sind!“


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